Wieder sorgte ein Kündigungsprozess wegen eines Cent-Betrags für Aufsehen: Eine Küchenhelferin soll in einem Krankenhaus drei Brötchen gestohlen haben und wurde deshalb entlassen. Gegen die Entscheidung hat sich die 59-jährige Frau vor dem Arbeitsgericht Heilbronn zur Wehr gesetzt. Die Kündigung blieb leider wirksam. Die Gekündigte willigte in einen Vergleich mit dem Arbeitgeber ein, der in der Fortzahlung von Lohn für ein paar Monate besteht.
Nach Kassenschluss hatte eine Verkäuferin in der Aldi-Filiale Kirchhofstr. in Remscheid eine Packung Damenbinden (Preis: 0,59 €) mitgenommen und das Geld dafür auf einen Tisch im Aufenthaltsraum gelegt — auf Absprache mit einer Kollegin hin. [...]
"Es kommt alles wieder hoch, ich bin fix und fertig, ich kann es immer noch nicht glauben, bin so wütend und enttäuscht: Ich war immer für die Firma da, habe Überstunden gemacht, hat mir nichts ausgemacht, weil meine Kinder jetzt ein bisschen größer geworden sind und natürlich selbstständiger (habe ein behindertes Kind — geistige Behinderung), also habe ich mich viel für die Firma eingesetzt, wenn Not am Mann gewesen ist, ich kann es nicht glauben, wie ein Alptraum, denke immer gleich wache ich auf und es ist alles beim Alten, ich gehe morgen wieder arbeiten, tja traurig aber wahr, hätte ich nie gedacht bei dem Arbeitgeber und den Arbeitskolleginnen."
Laut spiegel online kündigte eine private Müllentsorgungsfirma im Dezember letzten Jahres einem Müllmann fristlos wegen Diebstahls: [...]
Mit 159 Zimmern ist das Mercure Hotel die größte Bettenburg in ganz Regensburg. Vier Sterne, mehrere Tagungsräume und regionale Gerichte, die zum Teil in einer Show-Küche zubereitet werden, sollen die Gäste in die Grunewaldstraße locken. Um das Betriebsklima im größten Hotel der Welterbestadt scheint es allerdings mehr als schlecht zu stehen. Das war zumindest die einhellige Auffassung der Geschäftsführung des Mercure Hotels, des Betriebsrats und des Vorsitzenden Richters am Arbeitsgericht Regensburg, Harald Köhnen, am vergangenen Donnerstag.
Hintergrund des Gerichtstermins ist der Streit um eine so genannte Verdachtskündigung. [...]
Beispiele für Kündigungen aus aus geringfügigen Anlässen
Die folgende Liste ist insofern problematisch, als die Schilderungen notgedrungen den jeweiligen Arbeitsgerichtsurteilen oder der Berichterstattung über diese entnommen ist. Unsere Erfahrung im Fall der streikenden Kassierin “Emmely” sagt uns aber, dass diese Texte eine sehr eigentümliche Darstellung eines Sachverhaltes abgeben.
Zweck dieser Liste ist, zu demonstrieren, dass Kündigungen aus Bagatellanlässen keine Ausnahme sind. Kennen Sie ein Urteil, das in diese Liste passt? Dann schicken Sie uns bitte einen Hinweis, möglichst mit Aktenzeichen über das Kontaktformular.
- Bis zu Emmelys Kündigung vielleicht am bekanntesten ist das “Bienenstichurteil” des Bundesarbeitsgerichtes aus dem Jahr 1984. Eine Bäckereiverkäuferin hatte ein Stück Bienenstich gegessen und war fristlos gekündigt worden.
BAG, Urteil vom 17.5.1984 – 2 AZR 3/83






